Alltagsglück

Kann Musik glücklich machen?

Wer kennt das nicht: Musik an – Kopf aus. Für jede Gefühlslage gibt es den richtigen Song, mit dem richtigen Text, der einfach genau passt. Wenn ich morgens mal nicht gut aus dem Bett komme, dann mache ich die Playlist “Good Vibes” auf Spotify an und dann tanze ich aus dem Bett – einfach weil die Lieder gute Laune machen und das beste Mittel gegen Morgenmuffel sind.

Für mich bringt es Pohlmann genau auf den Punkt. Einer meiner deutschen Lieblingskünstler hat in seinem Song “Musik” das Phänomen passend beschrieben:

Es war Musik die mir half mich
aus dem Gefängnis der Gedanken zu befreien
es war Musik die mir ein tiefes Verständnis
davon gab ich selbst zu sein


Und wir lesen in den ältesten Liedern
unsere neusten Träume
und kommen immer wieder zu ihr zurück
um abzutauchen und Luft zu holen

Musik
in ihr geht nichts verloren

Musik macht dass es doppelt so weh tut
Musik macht dass es nicht mehr so schmerzt
Sie ist die Tobsucht und ist meine Besinnung
wenn sie mir in die Seele fährt


Sie schlägt dich auf wie ein Tagebuch
Erinnerung die dich sucht

Manchmal kommt es ganz unerwartet, dass man einen ganz bestimmten Song hört und sofort eine bestimmte Erinnerung damit verbindet. Das kann einen wirklich emotional treffen. Es kann auch sein, dass man einen Song hört und einfach gute Laune bekommt.

Kann Musik denn wirklich glücklich machen? Der Hirnforscher und Musikpsychologe Stefan Koelsch erforscht, wie Musik im Gehirn funktioniert. Ist der Grund, warum Musik glücklich macht, dass sie im Belohnungszentrum des Gehirns den Botenstoff Dopamin auslöst, welcher für unser Wohlbefinden verantwortlich ist? Nach Koelsch ist das ein weit verbreiteter Irrtum: „Dopamin ist ein Spaßhormon, kein Glückshormon“, betont der Wissenschaftler ausdrücklich. „Musik macht natürlich Spaß. Die Klänge sind schön, es macht Spaß zu tanzen, Partys zu feiern oder selbst Musik zu machen.“ Doch leider verwechseln die Menschen in unserem Kulturkreis immer öfter Spaß mit Glück, so der Psychologe. „Musik kann aber auch tatsächlich glücklich machen“, bestätigt er.

„Glück hängt fast immer mit sozialen Bindungen zu anderen Menschen ab“, so Koelsch. „Glück heißt nicht, viel Geld zu haben, viel Schokolade zu essen, viel einzukaufen oder etwa viel Kokain zu nehmen: Das sind alles Dinge, die viel Dopamin im Gehirn ausschütten: Spaßerlebnisse, die am Ende auch sehr unglücklich machen können.“

Glückserlebnisse in der Musik liegen also in ihrem sozialen Aspekt: „Selbst wenn man alleine im Lehnstuhl sitzt und sich einen Kopfhörer aufsetzt, simuliert das Gehirn viel an Gemeinschaftsaktivität. Das Gehirn weiß, das andere dafür gemeinschaftlich Musik machen. Man fühlt sich von der Musik angesprochen und erlebt dadurch eine Kommunikation.“ So kann nachgewiesen werden, wie Musik viele Regionen des Gehirns ansprechen kann.

Spannend ist auch die Tatsache, dass Musik als Therapie eingesetzt werden kann. Natürlich kann Musik nicht wie eine ‘Glücksspritze’ verstanden werden. Koelsch erklärt: „ Musik ist aber ein tolles Mittel, eine ganze Menge an positiv wirkenden Neuronen wachzurufen und diejenigen Neuronen ruhig zu stellen, die dazu da sind, ein Glücksgefühl zu unterdrücken.“ Die Macht der Musik ist also wirklich nicht zu unterschätzen.

Da ich selbst einige Instrumente spiele und aus einer musikalischen Familie komme, gehört Musik einfach zu mir. Ohne Musik könnte ich mir mein Leben gar nicht vorstellen. Musik ist für mich wie ein Ventil, um Gefühle zu transportieren. In Melodien oder auch in Texten können viele Emotionen liegen, welche die aktuelle Gefühlslage spiegeln. Ich würde auf jeden Fall unterschreiben, dass Musik glücklich machen kann.

Wie sieht es mit Dir aus? Hast Du einen bestimmten Lieblingssong, der Dich glücklich macht oder spielst Du auch ein Instrument? Nimm Dir diese Woche mal ein bisschen Zeit für Dich und mache Dein Lieblingslied an, schließe die Augen und genieße einfach den Moment.

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