Alltagsglück

Loslassen

Die Kunst eines erfüllten Lebens ist die Kunst des Lassens: Zulassen, Weglassen, Loslassen.

Ernst Ferstl

Nach einer längeren Krankheitsphase melde ich mich endlich zurück. Dabei ging mir ein Thema nicht aus dem Kopf: Loslassen. Wer kennt nicht Sätze wie: „Du musst das endlich loslassen!“, „Warum denkst du so viel darüber nach?“ oder „Mach doch einfach einen Haken dahinter!“ Das sind meine Favoriten wenn es darum geht, etwas ‘loszulassen’. Wenn das nur so einfach wäre. Viele eher nachdenklichere Typen bezeichnen sich selbst gerne als ‘Kopfmenschen’ – so auch ich. Da denkt man gerne nicht nur einmal, sondern zweimal, dreimal und schließlich bis zum Abwinken über ein Thema nach. Da fällt das Loslassen besonders leicht.. Aber mal im Ernst: Wie funktioniert das Loslassen und was bedeutet es eigentlich?

Was bedeutet Loslassen?

Lerne loszulassen, es ist der Schlüssel zum Glück.

Buddha

Loslassen bedeutet laut Duden “nicht mehr festhalten”, oder “[jemanden oder etwas] aus einem Gefängnis, Zwinger o. Ä. freilassen, der Fesseln entledigen, von der Leine lassen.” Wenn man dies auf seine eigene Gedankenwelt überträgt, finde ich den Vergleich mit einer Art Gefängnis schon passend. Man fühlt sich gefangen, denkt ständig über eine bestimmte Sache nach und kommt davon nicht los – ein Gedankengefängnis, welches man sich selber gebaut hat. Man konzentriert sich nur noch auf negative Erfahrungen und setzt den Fokus auf bestimmte Erlebnisse in der Vergangenheit. Das Verharren in diesen negativen Gedanken belastet nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Symptome und Folgen können unter anderem Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magenprobleme wie z.B. Magenschleimhautentzündungen, Konzentrationsstörungen, Suchtverhalten, Panikattacken oder Depressionen sein.

Wie funktioniert Loslassen?

„Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten, und dennoch ist es schwerer.“

Detlev Fleischhammel

Um aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, muss man zunächst die Situation erkennen. Der Wille etwas zu verändern ist dabei entscheidend. Man selbst kann seine Gedanken steuern – das sollte man sich immer wieder vor Augen führen. Als nächstes müssen wir akzeptieren, was passiert ist und dass man die Vergangenheit nicht ändern kann. Zudem müssen wir akzeptieren, dass kein Mensch ohne Fehler ist und dass wir vor allem uns selbst vergeben müssen. Viele setzen Loslassen mit Versagen gleich. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Durch das Loslassen befreit man sich selbst aus der negativen Gedankenspirale und wird sich auf lange Sicht besser fühlen.

Nach dieser Erkenntnis ist es Zeit für den nächsten Schritt. Nimm Dir bewusst Zeit für Dich und horche in Dich hinein. Denke an das Erlebnis und versuche dabei die Gefühle zu spüren. Du darfst deine Gefühle nicht verdrängen, sondern sie so annehmen wie sie sind. Gefühle sind dazu da, um gefühlt zu werden und nicht um sie zu verdrängen. Heiße jedes Gefühl willkommen – auch wenn es unglaublich schwer fällt. Stelle Dir dann die Frage, ob Du dieses Gefühl annehmen kannst und ob Du bereit bist, es loszulassen. Versuche hier auf deinen Bauch zu hören und nicht auf deinen Kopf. Kannst Du diese Gefühle annehmen und loslassen? Natürlich wird es nicht sofort klappen und oftmals wird man innerlich einfach ‘Nein!!’ schreien, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass der Prozess des Loslassens angestoßen wird. So setzt Du dich mit Deinen Gefühlen auseinander und öffnest Dich immer weiter. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich an bestimmte Situationen ‘nicht denken durfte’, weil sie mich verletzt haben. Dann wollte ich diese Erfahrung hinter mir lassen, dachte aber immer weiter daran und fühlte mich einfach schlecht. Es hat mir wirklich geholfen, meine Gefühle ‘nicht zu verbieten’, sondern sie anzunehmen wie sie sind. Mit dieser Einsicht und etwas Training haben die negativen Gedanken dann an Intensität verloren und ich konnte sie loslassen.

Was hast Du schon zu verlieren? Sind deine Ängste realistisch? Wie könnte sich Dein Leben verändern, wenn du die negativen Erfahrungen hinter Dir lässt und nach vorne schaust? Gibt es Menschen, die vielleicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben und es geschafft haben, das hinter sich zu lassen? Möchtest Du Dir professionelle Hilfe suchen?

Gewinner anstatt Verlierer

Loslassen: Etwas niederlegen können, ohne es als Niederlage betrachten zu müssen.

Henriette Wilhelmine Hanke

Beim Loslassen hat man oft die Befürchtung etwas zu verlieren. Man hat Angst vor der Lücke, die dadurch entsteht. Dabei erschafft man auch Platz, räumt auf, kreiert Raum für Neues. Der Fokus wird verändert und richtet sich nicht mehr ständig auf die Vergangenheit, sondern auf das, was da noch kommt. Egal was Du auch loslassen möchtest, ob es der Job ist, Menschen, die Dir nicht gut tun, Deinen Ex-Partner, einen verstorbenen Menschen, dem Du nahe standest, oder eine bestimmte Situation oder ein Thema, das Dich traurig macht. Die positiven Erfahrungen kann Dir keiner mehr nehmen und den negativen Ballast, den Du innerlich mit Dir trägst, kannst Du loslassen, wenn Du bereit dazu bist. Du bist um eine Erfahrung reicher und vielleicht kannst Du auch etwas daraus lernen.

& am Ende zählt nur eins: Du hast es verdient ein glückliches Leben zu führen.

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich was ich brauche.

Laotse

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